Luftwurzeln

Luftwurzeln

Was tun mit Luftwurzeln? Epiphytisch wachsende Orchideen wie Phalaenopsis treiben oft aus der Basis Wurzeln, die sich frei in die Luft winden. An ihrem Naturstandort suchen sie damit neuen Halt und neue Nahrungsquellen. Am heimischen Wohnzimmerfenster finden sie natürlich nichts. Was also tun damit?

Und warum entstehen sie überhaupt? Nach meiner Erfahrung schieben Epiphyten neue Wurzeln manchmal nach oben oder seitlich aus statt sie Richtung Substrat im Topf zu senken, wenn sie in ihrem Topf „unglücklich“ sind. Sie suchen also neue Möglichkeiten, sich festzuhalten und mit Nahrung und Wasser zu versorgen. Es kann dafür unterschiedliche Gründe geben: Trockenheit durch falsches oder zu wenig Wässern, verfaulte Wurzeln durch zu viel Wässern, zu kleiner Topf. In der Regel gibt es keinen Grund zur Panik.

Es ist Geschmackssache, ob man die Luftwurzeln als unattraktiv empfindet oder einfach als natürlichen Teil der Pflanze. Auch wenn sie auf den ersten Blick keine Funktion am Fensterbrett haben, sollte man sie nicht bedenkenlos abschneiden.

Ich habe mal in einer Gartensendung gesehen, dass die Orchideen die Wurzeln für die Photosynthese brauchen und man sie auf keinen Fall abschneiden darf. Die Literatur sagt da etwas anderes: Ja, die Wurzeln können – dank des Chlorophylls in ihren Wurzeln – damit Photosynthese betreiben, doch im Verhältnis zum Blatt ist dies marginal. Also: ab damit. Oder?

Achtung bei verfaulten Wurzeln im Topf

Hat die Orchidee jedoch nicht viele gesunde Wurzeln im Topf oder sind diese gar durch zu viel Nässe verfault, sollte man die Pflanze umtopfen und die Luftwurzeln vorsichtig in den Topf hineinbekommen. Dies gelingt am besten, wenn man den Wurzelbereich komplett (inklusive Luftwurzeln) für eine Viertelstunde in handwarmem Wasser einweicht. Die Luftwurzeln werden elastischer und können nun mit einer sanften Drehbewegung vorsichtig in den Topf bugsiert werden. Mehr dazu unter Umtopfen.

Alternative zum Abschneiden

Es gibt auch noch eine Alternative zum Abschneiden, die ich soweit es geht praktiziere:

Die Luftwurzeln werden mit einem nassen Wattepad oder nasser Küchenrolle bedeckt. Wenn sie sich mit Wasser vollsaugen, werden sie deutlich elastischer und brechen nicht so leicht.
Nach einer Viertel- bis halben Stunde biege ich sie vorsichtig hinunter Richtung Substrat und „klemme“ sie an vorhandenen Wurzeln oder dem Topfrand fest.

Sind sie schon sehr lang, kann man sie beim nächsten Umtopfen für eine Viertelstunde in lauwarmem Wasser einweichen und eintopfen.

Sollte eine Wurzel brechen, ist das in der Regel nicht so schlimm, sie stirbt nicht gleich ab. Die Bruchstelle sieht zwar nicht so schön aus, aber die Wurzel kann weiterhin ihre Funktion erfüllen.

Wenn du sie wirklich abschneiden willst …

Nur wenn die Orchidee wirklich genügend gesunde Wurzeln hat (was man bei einem durchsichtigen Topf leicht überprüfen kann), können die Luftwurzeln aus meiner Sicht abschnitten werden. Hierbei sollte man darauf achten, mit einer scharfen, desinfizierten Schere an Werk zu gehen. Es dürfen auf keinen Fall Keime von einer anderen, eventuell kranken Pflanze übertragen werden.

Mit den Jahren entwickelt die Phalaenopsis einen regelrechten Stamm, aus dem neue Wurzeln wachsen – zum Teil in alle Richtungen!

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